Logbuch des Textfabrikanten.
bertolt brecht hat ein stück vom literarischen himmel der weisheit gefunden:
"Wir sehen selbst enttäuscht und seh'n betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen." (1)
auf seltsame weise wurde dieser spruch von der medienkultur in ihrer ultimativen literarischen erscheinung marcel reich-ranicki auf das mittelmaß einer banalen spruchzeile heruntergrebrochen. nichts ist geblieben vom utopischen gehalt. verschwiegen wird dabei was brecht meinte wenn er vom "bitteren ende" schreibt. er sagt: dass der autor uns nichts lehren kann. er kann uns nur hinführen zu seinem sehen und fühlen das sich in einem stück literatur verwirklicht. er kann uns nur einweisen in das was literatur ausmacht: das erkennen. und brecht lässt uns auch noch einen ausweg. schließlich soll jeder und jede von uns die fragen doch noch beantworten.
"Der einzige Ausweg wäre aus diesem Ungemach:
Sie selber dächten auf der Stelle nach.
Auf welche Weis dem guten Menschen man
Zu einem guten Ende helfen kann.
Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluß!
Es muß ein guter da sein, muß, muß, muß!" (2)
(1) Der gute Mensch von Sezuan, S.134.
(2) Der gute Mensch von Sezuan, S.135.