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Logbuch des Textfabrikanten.

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bachmann-0.1

"Neugier und Interesse, die Sie in diesen Saal geführt haben, glaube ich zu kennen. Sie entspringen dem Verlangen, über die Dinge etwas zu hören, die uns beschäftigen, also Urteile, Meinungen, Verhandlungen über Gegenstände, die uns an sich, in ihrem Vorhandensein, genügen müßten. Also etwas Schwächeres, denn alles, was über Werke gesagt wird, ist schwächer als die Werke. Das gilt, meine ich, auch für die höchsten Erzeugnisse der Kritik und [von] dem, was von Zeit zu Zeit grundsätzlich und grundlegend gesagt werden wollte und immer wieder gesagt werden will."

Ingeborg Bachmann. Frankfurter Vorlesungen. Piper 2011. S.9.

 

ich bin mir nicht sicher ob diese behauptung von ingeborg bachmann in ihrer absolutheit haltbar ist. dieser gedanke würde gelten wenn ich von unterschiedlichen sphären des schreibens ausginge. gelten würde die behauptung wenn schreiben sich teilen ließe in ein schreiben über realitäten und ein schreiben über wirklichkeiten. dass unsere gesellschaft dies tut steht für mich ausser zweifel. ob es aber sinn macht schreiben in ein schreiben über verarbeitete realitäten und in ein schreiben die dieses schreiben analysiert und interpretiert zu unterteilen - vage ich zu bezweifeln. die gesellschaft bewertet das werk höher als die aussage über ein werk oder einen literarischen text.

dabei verhält sich das werk zur welt wie die werkanalyse zum werk.

für die werkanalyse ist das werk die welt. und auch hier müsste gelten was bachmann sagt: alles was über eine werkanalyse gesagt wird ist schwächer als die werkanalyse selbst.

 

ich spreche eher von schreiben erster | zweiter | dritter ordnung. schreiben erster ordnung wäre demnach ein schreiben das realität in wirklichkeit verarbeitet. schreiben zweiter ordnung ist ein schreiben das sich mit geschriebenen wirklichkeiten beschäftigt und darüber schreibt. schreiben dritter ordnung ist ein schreiben das sich mit der analyse und interpretation verwirklichter wirklichkeiten auseinandersetzt.

 

eine solche herangehensweise ist aber unsinnig weil nie feststellbar sein wird welcher text ein text erster ordnung ist. denn in jedem schreiben eines autors fließt sein lesen - also die analyse und interpretation von literatur  - mit ein. jeder text ist material für weitere texte. für mich - zumal ich selbst schriftsteller bin - ist es schwierig zwischen schreiben und schreiben über einen gegenstand zu unterscheiden.

 

letztlich heißt schreiben immer über einen gegenstand schreiben. im einen fall ist es die reale welt - oder was wir dafür halten. im anderen fall der text eines autors der teil der realen welt ist oder teil dessen ist was wir dafür halten.

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