Logbuch des Textfabrikanten.
franz kafka stellt keinen entfremdeten sondern einen fremden menschen dar. günther anders hat dies als erster erkannt. er analysierte kafkas werk aus der sicht seiner theorie der weltfremdheit des menschen. dennoch glaube ich dass günther anders theorie in bezug auf franz kafka zu kurz greift. bei kafka handelt es sich ja nicht nur um eine fremdheitserfahrung mit der welt also um einen wesenszustand des menschen sondern das werk kafkas hat auch eine sozialkritische dimension die zumeist übersehen wird. in den letzten jahren wurde ihr ein größere bedeutung zugemessen. franz kafka verwendet um die gesellschaftspolitischen verhältnisse seiner zeit sichtbar zu machen die technik der transposition. im falle des prozesses hat er diese technik zur meisterschaft geführt. das gerichtsverfahren findet in der alltagswelt der menschen statt. auf dachböden. in treppenhäusern. in wohnräumen. wenn sich die literatur in die welt einschreibt dann findet eine trasposition statt. eine verschiebung. kafka führt dieses prinzip zur meisterschaft. er transponiert nicht nur die welt sondern er macht sozusagen eine transposition zweiter ordnung. er bildet sie nicht nur ab sondern verschlüsselt sie auch. nun versucht die forschung seit jahrzehnten den schlüssel zur interpretation von kafkas texten zu finden. sie hat sich um eine biographische und psychologische und soziologisch eund philosophische und religiöse deutung bemüht. doch der schlüssel ist die re-transposition also die rückverschiebung der texte aus der alltagswelt. es handelt sich bei kafka für mich nicht um einen "verfremdungseffekt" sondern um eine oktavenverschiebung im erzählen.