Logbuch des Textfabrikanten.
herschaftsfrei heißt ja nichts anderes als das ein text dem anderen folgt. nicht ihn aufhebt. ihn unterwirft. sicher wird es texte geben die wirkungsmächtiger sind als andere. aber das macht die einen nicht unverzichtbar sondern hebt den anderen hervor. er steht im dienst der vielen und umgekehrt. denn der eine kann nur wirken weil es die anderen gibt. und es gibt darin keine hierarchie sondern nur besonderheiten. auszeichnungen. dienstbarkeiten. es gibt eine bereicherung die jenseits der herrschaft liegt. jenseits der gewalt. wie sagt ingeborg bachmann in den frankfurter vorlesungen so treffend: So ist die Literatur, obwohl und sogar weil sie immer ein Samelsurium von Vergangenem und Vorgefundenem ist, immer das Erhoffte, das Erwünschte, das wir ausstatten aus dem Vorrat nach unserem Verlangen – so ist sie eine nach vorn geöffnetes Reich von unbekannten Grenzen. (…) Aber Literatur ist ungeschlossen, die alte so gut wie die neue, sie ist ungeschlossener als jeder andere Bereich – als Wissenschaften, wo jede neue Erkenntnis die alte überrundet -, sie ist ungeschlossen, da ihre ganze Vergangenheit sich in die Gegenwart drängt. (…) Wären nicht auch auf seiten der Werke diese utopischen Voraussetzungen, so wäre die Literatur, trotz aller Anteilnahme, ein Friedhof. Wir hätten nur mit Kranzniederlegungen zu tun. Dann wäre jedes Werk durch ein anderes abgelöst und verbessert worden, jedes beerdigt worden durch ein folgendes. und literatur ist eben kein friedhof. literatur ist ein lebendiger ort wo sich das eine auf das andere bezieht. dort findet die utopie noch raum. dort kann das ich noch ruhn. im exil. zu jeder zeit.