Logbuch des Textfabrikanten.
Ich bin kein bürger und kein bauer.
Das macht mich in den augen der bodenständigen bauern und der scheinseßhaften bürger suspekt. So einer wie ich hat in st. wolfgang nichts verloren. Um so mehr als ich nicht still halte sondern auf der suche nach einem eigenen lebensraum für mich und meine familie im herzen der marktwirtschaft bin.
In st. wolfgang sind die seßhaften bauern und die scheinseßhaften bürger auf engem raum eine siedlungsgemeinschaft eingegangen ohne sich jedoch aufeinander einzulassen. Sie leben wie new yorker. Jede gruppe für sich. Und so sind sie ein spiegelbild der modernen städtischen lebensweise in einem kleinen dorf im wurmfortsatz oberösterreichs.
Die marktler würden einer solche anlayse freudig zustimmen. Die bauern aus rußbach und windhag und wirling und weinbach und radau und graben würden sie kopfschüttelnd verneinen. Doch der riß der durch den ort geht ist nicht zu übersehen. Mag sein er hat historische gründe. Doch diese gründe reichen aus um die kluft in der gegenwart zwischen den scheinseßhaften bürgern und den seßhaften bauern noch zu vertiefen.
Würde die tragik die sich daraus ergibt nicht einen sturzbach aus elend nach sich ziehen könnte ich fast über die komik die einer solchen siedlungsgemeinschaft innewohnt lachen. Ich könnte mein fäustchen mit einem kichern füllen und denken – bei marx: was für arme schweine.
Doch da gibt es nachgeborene: kinder. Enkelkinder. Sie wissen nichts von dieser absurden siedlungsgemeinschaft. Und weil sie nichts davon wissen sind sie gezwungen auszuwandern oder zu bleiben und die fehler ihrer vorfahren zu wiederholen. Jedes kind in st. wolfgang ist gezwungen bereits in frühen jahren zu entscheiden wohin es eines tages gehören will: zu den scheinseßhaften bürgern oder den bodenständigen bauern. Wer keiner gruppe den vorzug geben will wird in späteren jahren von beiden in gleichem maße verachtet und verhöhnt.
Wer st. wolfgang nicht wie die bürger und bauern lieben kann wird von ihnen gehaßt und mißachtet. Das worauf die st. wolfganger so stolz sind wird einst zu ihrem verhängnis werden: die new yorker des salzkammerguts zu sein und damit ein spiegelbild der welt.