Logbuch des Textfabrikanten.
die technik des wissenschaftlichen arbeitens. ein proseminar. germanistik. was war aufgabenstellung: wie entwickelt ein wissenschafter eine fargestellung. und das erste was mir einfiel war: was hätte walter benjamin zu diesem proseminar gesagt?
ich werde wahrscheinlich nie ein qualifizierter literaturwissenschafter werden. ich bin zu sehr am philosophischen gehalt von literatur interessiert. die aufschlüsselung der inhalte ist mir artfremd. ich bin mehr am leben und den welterklärungsmodellen von autoren interessiert. ich kann ihre literatur dekodieren. keine frage. doch die dekodierung der literatur zur fabrikation von wissenschaft ist mir zu wenig. wenn die dekodierung nicht der entwicklung eines politischen bewußtseins der menschen hilft ist sie wenig wert.
es ist ja auch kein zufall daß die so gerne in vorlesungen und seminaren zitierten autoren: adorno - foucault - benjamin vorrangig mal philosophen und autoren waren. ihre literaturwissenschaftliche kompetenz ergab sich aus dem lesen und analysieren von texten zum zwecke der eigenen schreibproduktion. nicht einer sekundären produktion. sie schufen aus ihren textanalysen originäre werk die wir huet auch als solche lesen um uns sekundärliterarisch über sie herzumachen.
das ist was mich umtreibt. das originäre werk durch die analyse der welt. und wenn es wie im moment sein muß eben auch der welt der literatur. mit den schriften dieser philosophen im kopf wäre es für mich wahrscheinlich noch schwerer die universität in ihrem derzeitigen zustand zu ertragen. vieles von dem was an anforderungen an mich gestellt wird scheint mr unerfüllbar. nicht weil ich es nicht könnte. sondern weil es mir nutzlos und sinnlos erscheint. wissenschaft sollte doch wissen schaffen. wissenschaft sollte nicht ausbilden und gebildete prüfen.
wissenschaft sollte diskurs üben. diskurs hin zu originären werken. die studieneingangsphase tut dies nicht in ausreichendem ausmaß. die universitäten gängeln ihre studenten und studentinnen weil das wissensuniversum ihnen nichts mehr zutraut. so erfüllt sich die prophezeiung der bildungspessimisten doch noch. es wird alles schlechter. und um den niedergang aufzuhalten müssen wir studenten in schüler verwandeln.
das führt dann zu genau den effekten die die professoren bedauern. der widerstand - das kritikbewußtsein erlahmt. und plötzlich sind die doktoren und professoren ganz auf sich allein gestellt. doch anstatt dagegen anzukämpfen indem sie die universitäten zurückführen auf das was sie einmal waren: denkinstitutionen - fordern sie zugangsbeschränkungen und mehr geld um die ausbildung der studenten effizienter voranzutreiben.
walter benjamin würde sich der akademie auch heute noch verweigern. theodor w. adorno würde sie als notwendiges übel benutzen. günther anders hätte sie heftig bekämpft. martin heidgger hätte sich wieder in ihr eingenistet. doch es ist eben ein konjunktiv. denn unsere universitäten bringen derartige größen nicht mehr hervor. die krone der philosophischen schöpfungskraft unserer universitäten ist konrad paul liessmann. ein begnadeter lehrer. doch die langsamkeit mit der er sein eigenständiges denken publiziert und entwickelt ist erschreckend.
das akdemische ist mir schon in den achtziger jahren unheimlich und letztlich verschlossen geblieben. theorie und methode waren mir immer fremd. auch jetzt zwanzig jahre später - nach einer doktorarbeit und zahlreichen wissenschaftlichen büchern und artikeln - ist mir das akademische nicht weniger unheimlich. jetzt da die universität eine bildungseinrichtung geworden ist - in der nicht mehr universell sondern global gedacht wird - erscheint sie mir noch sinnentleerter als vor zwanzig jahren.