Logbuch des Textfabrikanten.
an der universität wird abgebrochen wenn es am interessantesten wird.
diskussionsfreudigkeit wird längst als störung begriffen. vor allem von den arbeiterbienen die nichts weiter erstreben als den bienenstock rechtzeitig fertigzustellen. nichts ist dabei hinderlicher als der müßiggang des denkens. denken behindert die informationsverarbeitung. wir wollen alle nur mehr unseren abschluß. da ist uns jedes mittel recht. auch die preisgabe dessen was früher ein studium ausgemacht hat: das denken und die produktion neuen wissens | neuer erkenntnisse.
da wundert es mich nicht daß österreich längst nicht mehr das land der dichter und denker ist.
pausen zu opfern für einen diskursgegenstand | länger als notwendig zu sitzen um eine idee ans ende zu entwickeln ist nicht mehr üblich. rasch wird das jausenbrot ausgepackt | die zigarette aus dem futteral der jacke geholt oder alles zusammengepackt um wegzueilen - wohin auch immer. wahrscheinlich zum nächsten kurs wie seminare heute oft genannt werden.
da wird einer wie ich rasch zum störenfried und ein vortragender zum unruhestifter wenn er sich von einem wie mir vor sich hertreiben läßt. die herausforderung besteht heute nicht mehr darin den vortragenden herauszufordern | anzustacheln | vom weg abzubringen | ihm höchstleistungen abzuverlangen und selbst dabei neues und aufsehenerregendes wissen hervorzubringen.
heute scheint es nur noch um routieniertes lernen zu gehen. gefordertes zu reproduzieren ohne sich dabei selbst allzu sehr zu überfordern oder gar an physische oder intellektuelle grenzen zu bringen. das mittelmaß wird zum wunschtraum. die utopie ist der alptraum. das schnelle denken das information generiert ist das ziel. eine information: jederzeit reproduzierbar. wie ein wikipedia eintrag den ich immer wieder öffnen kann. der sich ein wenig verändert aber dennoch in seinem kern beruhigend gleich und bleibt. abrufbar für prüfungen. nur keine innovative kraft freisetzen. da würde der mensch doch nur auffallen. und wer auffällt kann leicht durchfallen. die utopie wird nicht mal mehr auf den stammtisch verschoben. der findet nur mehr selten statt weil das lernen die zeit verschlingt. im orkus des universitären lehrplans [was ist bloß aus den curricular geworden?] geht alles was in die zukunft weisen könnte schon im ansatz unter.
widerstand gegen das system universität. gegen die macht der lehrpläne. gegen die ausreden der vortragenden findet seine kanalisierung in der forderung nach mehr geld für die universitäten. doch die dies fordern begreifen zu wenig daß mehr geld auch mehr leistungsanforderung mit sich bringt. leistung ist nicht mehr verpönt. wer leistet ist im recht. wer denkt zumindest suspekt.
zur verteidigung der zustände: das war in österreich immer schon so. nur jetzt haben die denker klein beigegeben. sie wollen halt auch dazugehöre und nicht immer abseits stehen. sie wollen endlich auch geliebt und nicht ausgegrenzt werden. dcoh wenn die dichter und denker sich raushalten wo soll das denn hinführen?