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Logbuch des Textfabrikanten.

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nachlaß: alles oder nichts

Als eigentümer dreier nachlässe muß ich mich mit folgender fragestellung beschäftigen: wie soll ich autor|inn|en und ihr werk vor (vorlaß) und nach ihrem tod (nachlaß) dokumentieren.

 

Für mich als lebenden autor (der ich ja auch noch bin neben meiner verlagstätigkeit) gibt es zu lebzeiten nur zwei möglichkeiten damit umzugehen. Entweder jeden fetzen papier den ich je bekritzelt habe aufzuheben und zu archivieren oder alles vernichten was nicht bleiben soll.

Ich habe mich für ersteres entschieden.

Aus zwei gründen.

Erstens verwirrt die fülle des materials.

Zweitens ist nur dadurch meine schriftstellerische entwicklung zu verstehen.

(Nun gut jetzt können einige sagen: was für ein größenwahn. Wen wird das eines tages interessieren. Vielleicht nur mich in der rückschau. Vielleicht mal eines meiner kinder. Die entscheidung ob mein nachlaß gelöscht oder gelesen oder bearbeitet wird werden andere treffen.)

 

Ich habe mich nach langem hin und her für die extremvariante der vollständigen publikation aller inhalte aus den in meinem besitz befindlichen nachlässen entschieden. Bestimmte dokumente nicht zu publizieren bedeutet für mich als nachlaßbesitzer eine vorverurteilung der materialien und autor|inn|en. Es wäre der anfang der mythologisierung.

Archive und nachlaßbesitzer|inn|en schaffen durch die von ihnen vorgenommene publikationsauswahl ein verzerrtes bild von auor|inn|en. Die autor|inn|en werden ins rechte oder linke Licht gerückt.

Das internet ist für ein solches vorhaben das geeignete medium.

Eine buchreihe zur dokumentation von briefen notizen texten und fotos wäre nicht nur ökonomisch zu aufwendig sondern auch organisatorisch kaum zu bewältigen.

 

Wollen autor|inn|en in zukunft eine vollständige publikation ihrer werke im netz verhindern sollten sie rechtzeitig zur fackel greifen und eine intellektuelle und textuelle selbstvernichtung vornehmen. Diesen akt der nachwelt aufzubürden ist zwar persönlich verständlich aber beruflich unprofessionell.

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