Logbuch des Textfabrikanten.
in den salzburger nachrichten vom letzten samstag über die generation null gelesen. eine generation ohne perspektiven. in griechenland. in spanien. in italien. nun das kann gut sein. aber dann ist meine generation die avantgarde der generation null. wir hatten schon in den achtziger jahren keine perspektive mehr. den atomaren und ökologischen untergang vor augen und aids als ständiger begleiter unserer sexuellen aktivitäten machte uns nicht gerade hoffnungsfroh. die raketenrüstung in deutschland. die kernkraftwerke an den österreichischen grenzen. sozialabbaudebatten überall. entdemokratisierung der universitäten. die entstehung eines einzigen globalen marktes nach dem zusammenbruch des sozialismus in osteuropa. amerikas versuch den weltfrieden mit gewaltherrschaft in allen teilen der welt durchzusetzen. die entstehung des multimedialen vergnügungszeitalters. und meine generation mitten drin. dann kam die generation x mit douglas coupland als ihr prophet und kurt cobain als ihr musikalisches sprachrohr. und nun steht meine generation zehn jahre vor der pensionierung. ohne aussicht auf ein angemessenes auskommen im alter. zerrüttete politische verhältnisse. das gesundheitssystem am rande zum kollaps. lasst uns also nochmals über die no-future-generation reden. einen kurzen sentimentalen blick auf die guten alten zeiten der ersten aller verlorenen generationen nach dem zweiten weltkrieg richten. auf jene generation die vom wirtschaftswunder profitierte aber nie in seiner mitte angekommen ist. meine generation wird seit jahren bei der besetzung von posten übergangen. wir werden nicht gebraucht und sind nutzlos. unsere kompetenzen sind nichts wert. wir stecken noch tief im neunzehnten jahrhundert und wissen doch schon viel über dieses einundzwanzigste. und wollen sie gar nicht erst bestechen. wir sind seit zehn jahren im ausgedinge. und nun wird uns noch das letzte geraubt was wir hatten. unseren alleinigen anspruch auf den begriff lost generation. wir sind also doppelt verloren. einerseits haben wir den untergang durch die atomare katstrophe überlebt und wurden so zu aufgesparten opfern des ökologischen untergangs und müssen nun sehen wie wir mit diesem überleben ohne karrieren fertig werden. und andererseits werden wir als verlorene generation nicht wahrgenommen und müssen deshalb ohne mediale begleitung alt und krank auf unseren tod blicken. möge der generation null nur der ökonomische zuversicht verloren gehen. uns ging die philosophische zuversicht verloren. geldsysteme sind realtiv rasch ersetzbar. oft über nacht. diskreditierte utopien brauchen jahrzehnte um sich zu erneuern.