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Logbuch des Textfabrikanten.

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20120521

heute ist ein guter tag um zu beginnen. mit einem buch über meine zeit. was war das nur für eine unglaubliche und phantastische zeit in der ich gelebt habe: banal. belanglos. bedeutungslos. jahrelang war es mir unmöglich über mein leben zu schreiben denn ich gehöre ja nicht nur einer verlorenen generation an sondern auch einer generation die sich dadurch auszeichnet dass sie nichts heroisches vorzuweisen hat. mein leben ist bisher ereignislos verlaufen: ohne inhaftierung in einem konzentrationslager. ohne exilerfahrung. ohne sexuellen missbrauch in der kindheit. ohne schwere krankheit. ohne psychische zerstörungsprozesse. ohne die schwerstarbeit im wiederaufbau. ohne krieg. ohne hunger und not. was rechtfertigt also ein buch über mich? vielleicht die tatsache dass es mein leben  gegeben hat? möglicherweise einfach nur der wunsch mich an mich und meine generation zu erinnern. ehe mich mein gedächtnis im stich lässt und alles aus mir aussickert was noch an erinnerung in mir ist. bevor sich das vergessen oder die verblödung oder demenz über mich breitet. eine pensionierte pflegerin hat mir einmal erklärt: demenz ist ja nicht in allen fällen eine folge des physiologischen verfalls des gehirns sondern oft nur das ergebnis eines vergessenwerdens durch die gesellschaft. und irgendwann hat der mensch sich schließlich selbst vergessen. er kann sich an nichts mehr erinnern weil die notwendigkeit dafür fehlt. weil ein gegenüber fehlt für das sich ein erinnern lohnen würde. so wie sich früher ein leben gelohnt das einer wie ich für die anderen weitergeführt hat. natürlich ist das pure eitelkeit und wichtigtuerei. aber sind wir nicht bisher immer im schatten geblieben weil andere das von uns erwartet haben und wir in vorauseilendem gehorsam mitstpielten? es wird zeit dass wir uns mit allem was wir sind der welt ausliefern und ins licht treten und sagen: wir haben ein recht auf den wohlstand unserer eltern. wir haben ein recht auf ein altern in würde und nicht im prekariat. nun weiss ich dass mein leben eine solche forderung in den augen der redlichen menschen nicht rechtfertigt. ich habe nichts vorzuweisen an erfolgen. ich habe kein untrenehmen gegründet. ich habe nichts zum wirtschaftswunder beigetragen. ich bin ein kostenfaktor. ich habe keinen nutzen für die gesellschaft. und vielleicht ist das der kern meiner geschichte. vielleicht liegt in dieser nutzlosigkeit das bedeutungsvolle für andere menschen. immerhin habe ich diese nutzlosigkeit über jahrzehnte hin ertragen. und wenn ich von diesem meinem scheitern erzähle kann ich dem kommenden tod vielleicht noch so etwas wie sinn abgewinnen nach einem jahrzehnte dauernden leben in einer mir immer schon fremden und unangemessenen welt.

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