Logbuch des Textfabrikanten.
zwei wochen vor dem jahrtausendwechsel saß ich mit meinem cousine gustav bei einem zu eis erstarrten brunnen im schloßpark schönbrunn und er wies mich auf den unterschiedlichen flügelschlag der vögel hin: möwen. tauben. enten. krähen. alle fliegen anders. kein vogel fliegt wie der andere. jeder hat seinen eigenen rhythmus. seinen unverwechselbaren stil. die vögel haben ihren flügelschlag noch nicht verlernt. sieh einfach nach oben! als ich nicht gleich den kopf zum himmel hob wiederholte er den satz ein wenig ärgerlich. so als würde ihm durch mich kostbare zeit geraubt: sieh einfach in den himmel! und ich blickte in den wolkenverhangenen dezemberhimmel der sich über uns ausbreitete. ich sah wie sich die krähen in festgelegten formationen zusammenfanden und gegen nordosten flogen. und gustav sagte: Nach diesem unseligen jahrhundert wird nichts mehr kommen was wir als menschlich bezeichnen werden. eine stunde vor mitternacht am letzten tag des letzten jahrtausends hat er sich das leben genommen. er fehlt mir in diesem letzten jahrhundert das für uns menschen von bedeutung gewesen sein wird. vielleicht hatte gustav recht und wir gehen unmenschlichen zeiten entgegen.