Logbuch des Textfabrikanten.
wenn ich heute nacht sterben sollte wäre das letzte was ich gelesen hätte daniel kehlmanns roman ruhm gewesen. vielleicht ist das einer der gründe warum sterben so schwer ist. immer stirbt der mensch mit einem falschen gedanken im kopf. immer gibt es einen letzten gedanken der so unangenehm ist dass der mensch von ihm in der ewigkeit nicht heimgesucht werden möchte.daniel kehlmanns buch ruhm ist technisch hervorragend gemacht. für jede figur eine eigene sprache. für jede figur ein eigenes bild. aber mal im ernst: weltliteratur? natürlich sind die geschichten geschickt miteinander verwoben. aber weltliteratur? das buch spielt in der welt. ganz klar. in lateinamerika ebenso wie in einer schrecklichen ostdiktatur. also einmal geisterbahn und zurück. aber weltliteratur? ruhm erlangt ein autor nicht dadurch dass er ein buch schreibt das er ruhm nennt oder vom verlag so benennen lässt. ruhm hat kehlmann genug geerntet. aber dieser fällt gnadenlos auf ihn zurück. vor allem dann wenn am klappentext steht: weltliteratur. nur weil die weltwoche das scheibt? in beidem kommt welt vor: in ruhm und im begriff weltwoche. doch dieses aufblitzen von welt ist nichts weiter als das gegenlicht im sucher einer kamera an einem grellen sommernachmittag.