Logbuch des Textfabrikanten.
im mittelpunkt der frage warum ich schreibe steht nicht der akt des schreibens selbst. ich schreibe ungern. für einen wie mich der im kern seines wesens faul ist und ein nichtsnutz ist schreiben harte arbeit. schreiben als tat erscheint mir einfach. meine archive sind voll mit rechtfertigungen und sehnsüchten und aufarbeitungen meiner eigenen geschichte. tausende seiten lagern als archäologische befunde für die sinnhaftigkeit meines schreibens in den tiefen meiner hinterlassenen schriften. ich hegte nie zweifel daran das schreiben für mich sinn macht. manchmal ist der gedanke verführerisch dass ich überhaupt nie etwas anderes getan habe als zu schreiben. schon bevor ich die ersten worte hinkritzelte – das ist jetzt mehr als dreißig jahre her habe ich im Kopf geschrieben. in den zahllosen Stunden die ich mir allein verbrachte. in denen ich mich herausgedacht habe aus dieser welt. die mich damals umgab und heute noch umgibt und mich heute noch ängstigt wie damals. warum ich schreibe hat mit der welt zu tun in der ich aufwuchs und in der ich mich herumtreibe wie ein schiff auf schwerer see das den heimathafen nicht mehr findet. mit der nackten gewalt die in ihr herrscht. mit den zahllosen missverständnisse die sie auseinanderreißt. mit der lustlosigkeit die sich in ihr immer weiter ausbreitet. mit der ungerechtigkeit die alles zerstört was kreativ ist in den menschen. und mit all den anderen unannehmlichkeiten die ein leben in dieser welt mit sich bringt.