Zum Schauraum des Textfabrikanten: www.textfabrikant.at

Friday, 20. april 2012 5 20 /04 /Apr. /2012 23:03

kaum ein autor der sich nicht abgemüht hätte mit der frage: was ist literatur. und trotz all der vielen antworten die sich mir aufgedrängt haben über die jahrzehnte blieb beinahe alles offen. mich treibt seit jahren die frage um: was ist literatur. und über all dem denken ist mein schreiben doch noch auf der strecke geblieben. mein schreiben ist flüchtig. haltlos. irrlichternd. denn es ist so schwierig zu beschreiben was sich in der welt zeigt. über die erscheinungen der dinge. immer bin ich als übersetzer gefragt. doch die eigene wahrnehmung ist brüchig. trügerisch. sie ist nicht die kenntnisnahme der realität sondern das was wir uns selbst von ihr zur kenntnis bringen. schon im ansatz bricht die literatur in die wirklichkeit weg. wenn ich zu schreiben beginne. oft fühle ich mich dann wie ein analphabet der versucht die realität zu entziffern. die welt zu buchstabieren. dann baue ich mir hilfskosntruktionen. schaffe oberflächen. auf ihnen male ich bilder. setze zeichen. und hoffe auf eine geschichte. hoffe auf ein stück welt das sich dann enthüllt. manchmal lohnt sich der aufwand. im grunde ist es aber immer ein scheitern. das ist literatur. das scheitern an der realität ist ihr immer mitgegegeben.

 

 

wie lässt sich noch land gewinnen

da doch jedes stück erde aufgerissen

von den herzen der dichter und denker

offen und blutig zu tage tritt

 

berge und täler

himmel und erde

liebe und tod

 

alles vermessen vom blick der jahrhunderte

geordnet und abgetragen jedes unglück

und viel zu viel vom glück der menschen

zerrieben zwischen der fülle der worte

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Friday, 6. january 2012 5 06 /01 /Jan. /2012 07:24

bertolt brecht hat ein stück vom literarischen himmel der weisheit gefunden:

"Wir sehen selbst enttäuscht und seh'n betroffen

Den Vorhang zu und alle Fragen offen." (1)

 

auf seltsame weise wurde dieser spruch von der medienkultur in ihrer ultimativen literarischen erscheinung marcel reich-ranicki auf das mittelmaß einer banalen spruchzeile heruntergrebrochen. nichts ist geblieben vom utopischen gehalt. verschwiegen wird dabei was brecht meinte wenn er vom "bitteren ende" schreibt. er sagt: dass der autor uns nichts lehren kann. er kann uns nur hinführen zu seinem sehen und fühlen das sich in einem stück literatur verwirklicht. er kann uns nur einweisen in das was literatur ausmacht: das erkennen. und brecht lässt uns auch noch einen ausweg. schließlich soll jeder und jede von uns die fragen doch noch beantworten.

"Der einzige Ausweg wäre aus diesem Ungemach:

Sie selber dächten auf der Stelle nach.

Auf welche Weis dem guten Menschen man

Zu einem guten Ende helfen kann.

Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluß!

Es muß ein guter da sein, muß, muß, muß!" (2)

 

(1) Der gute Mensch von Sezuan, S.134.

(2) Der gute Mensch von Sezuan, S.135.

 

 

 

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Wednesday, 4. january 2012 3 04 /01 /Jan. /2012 23:35

wenn ich heute nacht sterben sollte wäre das letzte was ich gelesen hätte daniel kehlmanns roman "ruhm".

vielleicht ist das einer der gründe warum sterben so schwer ist.

immer stirbt der mensch mit den falschen gedanken im kopf.

immer gibt es einen letzten gedanken der so unangenehm ist dass der mensch von ihm in der ewigkeit nicht begleitet werden möchte.

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Wednesday, 4. january 2012 3 04 /01 /Jan. /2012 09:12

"Neugier und Interesse, die Sie in diesen Saal geführt haben, glaube ich zu kennen. Sie entspringen dem Verlangen, über die Dinge etwas zu hören, die uns beschäftigen, also Urteile, Meinungen, Verhandlungen über Gegenstände, die uns an sich, in ihrem Vorhandensein, genügen müßten. Also etwas Schwächeres, denn alles, was über Werke gesagt wird, ist schwächer als die Werke. Das gilt, meine ich, auch für die höchsten Erzeugnisse der Kritik und [von] dem, was von Zeit zu Zeit grundsätzlich und grundlegend gesagt werden wollte und immer wieder gesagt werden will."

Ingeborg Bachmann. Frankfurter Vorlesungen. Piper 2011. S.9.

 

ich bin mir nicht sicher ob diese behauptung von ingeborg bachmann in ihrer absolutheit haltbar ist. dieser gedanke würde gelten wenn ich von unterschiedlichen sphären des schreibens ausginge. gelten würde die behauptung wenn schreiben sich teilen ließe in ein schreiben über realitäten und ein schreiben über wirklichkeiten. dass unsere gesellschaft dies tut steht für mich ausser zweifel. ob es aber sinn macht schreiben in ein schreiben über verarbeitete realitäten und in ein schreiben die dieses schreiben analysiert und interpretiert zu unterteilen - vage ich zu bezweifeln. die gesellschaft bewertet das werk höher als die aussage über ein werk oder einen literarischen text.

dabei verhält sich das werk zur welt wie die werkanalyse zum werk.

für die werkanalyse ist das werk die welt. und auch hier müsste gelten was bachmann sagt: alles was über eine werkanalyse gesagt wird ist schwächer als die werkanalyse selbst.

 

ich spreche eher von schreiben erster | zweiter | dritter ordnung. schreiben erster ordnung wäre demnach ein schreiben das realität in wirklichkeit verarbeitet. schreiben zweiter ordnung ist ein schreiben das sich mit geschriebenen wirklichkeiten beschäftigt und darüber schreibt. schreiben dritter ordnung ist ein schreiben das sich mit der analyse und interpretation verwirklichter wirklichkeiten auseinandersetzt.

 

eine solche herangehensweise ist aber unsinnig weil nie feststellbar sein wird welcher text ein text erster ordnung ist. denn in jedem schreiben eines autors fließt sein lesen - also die analyse und interpretation von literatur  - mit ein. jeder text ist material für weitere texte. für mich - zumal ich selbst schriftsteller bin - ist es schwierig zwischen schreiben und schreiben über einen gegenstand zu unterscheiden.

 

letztlich heißt schreiben immer über einen gegenstand schreiben. im einen fall ist es die reale welt - oder was wir dafür halten. im anderen fall der text eines autors der teil der realen welt ist oder teil dessen ist was wir dafür halten.

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Wednesday, 4. january 2012 3 04 /01 /Jan. /2012 09:10

die medien haben otto scrinzi für tot erklärt.

ich dachte er wäre längst tot. aber nur weil der mensch von einem anderen nichts mehr hört heisst das nicht dass er tot sein muss. ich habe von manchen schon seit jahren nichts mehr gehört und dennoch glaube ich dass sie noch leben.

nur in der medialen wirklichkeit ist jemand erst tot wenn er von den medien für tot erklärt wird. sonst ist er aus der welt einfach nur verschwunden oder nie in ihr angekommen.

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Friday, 30. december 2011 5 30 /12 /Dez. /2011 10:10

der textfabrikant hat seine webprojekt neu gestartet.

ein projekt in dem es mehr ums lesen und schreiben geht.

 

www.textfabrikant.at

 

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Thursday, 29. december 2011 4 29 /12 /Dez. /2011 18:59

die vierte ausgabe der internetzeitschrift der edition art science ist nun online.

es finden sich darin beiträge von:

bahr raimund | bibiloni roser amills | chobot manfred | danneberg erika

ebner klaus | erste wiener denkfabrik | falberg tobias | hartmann christine

hodina peter | huber c.h. | rossegger peter | scherer claudia | sahidi tanja

 

zum inhaltsverzeichnis geht es hier

heft vier litera|r|t

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Saturday, 19. november 2011 6 19 /11 /Nov. /2011 12:26

was kann ich heute noch über literatur über geschriebenes beitragen? nach michel foucault | theodor w. adorno | walter benjamin | bert brecht | ingeborg bachmann | paul celan und wie sie alle heißen mögen. sie haben sich über ihr eigenes und das schreiben der anderen hergemacht. sie  haben kluges und klügstes über literatur in die welt gesetzt. was kann noch beigetragen werden zur analyse der deutschen, der deutschsprachigen literatur die von heerscharen deutscher literaturwissenschafter und linguisten bis in den letzten winkel der ungewissheit verfolgt wurde. die germanisten haben wenige weiße flecken zurückgelassen. den dschungel der schriftlichkeit haben sie durchforstet und erobert und besetzt. wem gehört denn die Literatur jetzt noch? den autoren? den lesern? den verlagen? den wissenschaftern? und was ist Literatur eigentlich. gesetzte schrift? kunst? handwerk?

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Friday, 18. november 2011 5 18 /11 /Nov. /2011 13:29

Das neue Buch des Textfabrikanten ist soeben erschienen.

 

cover journal

 

einen roman über das individuum zu schreiben erscheint mir zusehends aussichtslos. gedichte schreiben könnte ein ausweg sein. ein gedicht ist ein fragment. am besten wären allerdings notizen. zu schrift erstarrte beobachtungen die nichts weiter sein wollen als stücke einer existenz. im individuellen ebenso wie im gesellschaftlichen. nichts kann die zerstückelung besser beschreiben als das stückwerk. was mir also als einziges übrigbleibt ist alles was ich sehe und was mir begegnet in meinem journal festzuhalten. 

 

 nicht zu denken ist undenkbar. das denken macht niemals pause. kein wochenende. kein feiertag. kein urlaub. seit ich mit der textfabrikation im jahr neunzehnneunundsiebzig begonnen habe stand die fabrik keinen tag still. das feuer in der schmiede loderte immer. das glühende eisen lief jede tag in die gussformen. die abgekühlten werkgegenstände türmen sich seit jahren in meinem archiv. ich bin ein fließbandarbeiter ohne produktiven nutzen. ich hetze mit meiner hand den produkten meines denkens hinterher. das band läuft und läuft. mein schreiben kommt immer zu spät. was gedacht wurde muss geschrieben werden. jeder tag ohne schrift ist ein verlorener tag. 

 

an der promenade in gmunden. nachmittagssonne im herbst. peter altenberg und seinen landungsstegen nachspürend: ich liebe die landungsstege der dampfschiffe an den salzkammergut-seen die alten grauschwarzen und die neueren gelben. sie sind mir so ein wahrzeichen von sommerfreiheit sommerfrieden und sie duften wie von jahrelang eingesogenem sonnenbrande. hier sehen selbst vögel die über dem see ihre kreise ziehen wie kleine segelflieger aus. die berge an das ende des sees grenzend beginnen sich in der luft aufzulösen. sie laben sich an der feuchtigkeit der herbstlichen stimmung. das tal füllt sich mit dem aufziehenden nebel. könnte ich den straßenlärm ignorieren würde nur das rattern der straßenbahn zu hören sein und das schnattern der enten und das getuschel der entlangschlendernden menschen und schließlich wäre ich selbst trunken vom panorama das vor mir liegt. wie damals zu alternbergs zeiten als das wasser gegen die landunsgstege brandete und er die ruhe und gemütlichkeit der provinz noch genießen konnte.

 

Bestellungen unter

http://www.editionas.net/sites/buch_journal.html

oder im guten Buchhandel unter der ISBN 978-3-902157-87-4

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Saturday, 11. june 2011 6 11 /06 /Juni /2011 12:11

die salzburger nachrichten geben in ihrem karriereteil wunderbare tipps wie ein mensch einem job der ihm vom arbeitsamt aufgezwungen wird nicht bekommen kann. so entgeht der mensch der ökonomischen knechtschaft. dank an die salzburger nachrichten.

 

hier die fünf todsünden bei einer bewerbung:

unpünktlichkeit

unwissenheit über das unternehmen

ungepflegtes oder unpassendes äußeres

unehrlichkeit und unglaubwürdigkeit

wortkargheit

 

damit hat uns das personalmangement die stärkste waffe im kampf gegen die kapitalistische vollbeschäftigungsstrategie in die hand gegeben und wir sollten sie nutzen.

 

bewerbung 01  bewerbung 02

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Sunday, 5. june 2011 7 05 /06 /Juni /2011 08:26

wer wird die nächste revolution führen?

sicher nicht die gebildete mittelschicht. die haben sich in den ökoparteien ihre politische nische geschaffen.

die alten? warum? sie sind die eigentlichen profiteure dieses systems. sie haben das wirtschaftswunder hervorgebracht und werden mit ihren pensionen gerade noch so die kurve kratzen. die gewerkschaften? bei einer derartigen prognose würde ich mich lächerlich machen.

 

die jungen werden die revolution anführen. überall. und diesmal wird es keine samtene revolution sein. keine grüne. keine arabische. es wird eine junge revolution sein. die arbeitslosen jungen | die armen | die ohne zukunft sind werden sich einfach aufmachen und alles kurz und klein schlagen.

 

ich weiß nicht ob sie einen plan haben werden - für danach.

doch das ist auch nicht mehr so wichtig.

wer nichts zu verlieren hat dem hilft auch kein plan. da gibt es nichts mehr zu managen. und ich bin mir nicht einmal sicher ob sie überhaupt noch beteiligt werden wollen am konsumkapitalismus. ob hier nicht eher etwas neues entsteht das sich jenseits kapitalistischer leistungsnormen und kapitalistischer einkommensstrukturen befindet.

 

die revolution bahnt sich an. nicht weil ihre anzeichen schon am horizont heraufdämmern. die revolution bahnt sich an weil kein weg an ihr vorbeiführt. die welt wie sie ist: ungerecht | asozial | lebensfeindlich | tödlich | wird sich nicht mehr lange halten können.

 

die revolution wird kommen. denn ohne sie wird zumindest eine generation ohne auskommen bleiben. sie wird verwahrlosen und in den straßen herumlungern. sie wird uns attakieren und ausrauben. sie wird uns prügeln und einige von uns erschlagen. das wird ein morden und brandschatzen. dagegen scheint mir eine revolution eine geordnete alternative. ein politischer impuls. ein aufbruch der uns fehlt in dieser zeit der ökonomischen | sozialen und persönlichen krisen.

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Tuesday, 31. may 2011 2 31 /05 /Mai /2011 13:15

viele tage sind ins lang gegangen.

der blog lag brach. ja da gebe es viele gründe dafür. einer der wesentlichsten ist wohl das schreiben.

klingt paradox ist aber so.

mein germanistikstudium nimmt mich in beschlag. lesen, lesen, lesen. schreiben für die pädagogik. sechzig seiten da, zwanzig dort. dann noch prüfungen. stress ist das nicht. nein, stress ist so ein großes und abgenutztes wort. stress ist oft auch eine ausrede dafür dass man sein leben nicht verändern will. für das was man versäumt. mir macht das studieren spaß. es ist kein stress.

nun gut. soviel dazu. stress nein. überarbeitung ganz sicher.

 

ich habe mein leben sooft verändert dass ich manchmal gar nicht mehr sagen kann was das ist: mein leben.

schreiben für das was mich umtreibt. schreiben für die ökonomie. schreiben als brotberuf.

schreiben.

ja schreiben hält mich fern von hier.

vielleicht sollte ich wieder mehr einträge hier machen.

 

ich schreibe an drei büchern. gleichzeitig. ja da werden sie wieder sagen: der raimund halst sich schon wieder gewaltig was auf. ja aber wenn wir uns nichts aufhalsen geht auch nichts weiter. also halsen wir uns die welt auf und stoßen wir sie aus. so als hätten wir eine nacht durchgemacht und zuviel gesoffen.

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Saturday, 15. january 2011 6 15 /01 /Jan. /2011 07:00

an der universität wird abgebrochen wenn es am interessantesten wird.

diskussionsfreudigkeit wird längst als störung begriffen. vor allem von den arbeiterbienen die nichts weiter erstreben als den bienenstock rechtzeitig fertigzustellen. nichts ist dabei hinderlicher als der müßiggang des denkens. denken behindert die informationsverarbeitung. wir wollen alle nur mehr unseren abschluß. da ist uns jedes mittel recht. auch die preisgabe dessen was früher ein studium ausgemacht hat: das denken und die produktion neuen wissens | neuer erkenntnisse.

 

da wundert es mich nicht daß österreich längst nicht mehr das land der dichter und denker ist.

 

pausen zu opfern für einen diskursgegenstand | länger als notwendig zu sitzen um eine idee ans ende zu entwickeln ist nicht mehr üblich. rasch wird das jausenbrot ausgepackt | die zigarette aus dem futteral der jacke geholt oder alles zusammengepackt um wegzueilen - wohin auch immer. wahrscheinlich zum nächsten kurs wie seminare heute oft genannt werden.

da wird einer wie ich rasch zum störenfried und ein vortragender zum unruhestifter wenn er sich von einem wie mir vor sich hertreiben läßt. die herausforderung besteht heute nicht mehr darin den vortragenden herauszufordern | anzustacheln | vom weg abzubringen | ihm höchstleistungen abzuverlangen und selbst dabei neues und aufsehenerregendes wissen hervorzubringen.

heute scheint es nur noch um routieniertes lernen zu gehen. gefordertes zu reproduzieren ohne sich dabei selbst allzu sehr zu überfordern oder gar an physische oder intellektuelle grenzen zu bringen. das mittelmaß wird zum wunschtraum. die utopie ist der alptraum. das schnelle denken das information generiert ist das ziel. eine information: jederzeit reproduzierbar. wie ein wikipedia eintrag den ich immer wieder öffnen kann. der sich ein wenig verändert aber dennoch in seinem kern beruhigend gleich und bleibt. abrufbar für prüfungen. nur keine innovative kraft freisetzen. da würde der mensch doch nur auffallen. und wer auffällt kann leicht durchfallen. die utopie wird nicht mal mehr auf den stammtisch verschoben. der findet nur mehr selten statt weil das lernen die zeit verschlingt. im orkus des universitären lehrplans [was ist bloß aus den curricular geworden?] geht alles was in die zukunft weisen könnte schon im ansatz unter.

 

widerstand gegen das system universität. gegen die macht der lehrpläne. gegen die ausreden der vortragenden findet seine kanalisierung in der forderung nach mehr geld für die universitäten. doch die dies fordern begreifen zu wenig daß mehr geld auch mehr leistungsanforderung mit sich bringt. leistung ist nicht mehr verpönt. wer leistet ist im recht. wer denkt zumindest suspekt.

zur verteidigung der zustände: das war in österreich immer schon so. nur jetzt haben die denker klein beigegeben. sie wollen halt auch dazugehöre und nicht immer abseits stehen. sie wollen endlich auch geliebt und nicht ausgegrenzt werden. dcoh wenn die dichter und denker sich raushalten wo soll das denn hinführen?

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Friday, 14. january 2011 5 14 /01 /Jan. /2011 07:00

nun da ich mich an der universität eingerichtet habe. den größten teil meiner zeit mit kopieren | mitschreiben | organisieren zugebracht habe kann ich endlich ans lesen gehen. der gute mensch von sezuan von bert brecht. das erste buch seit langem das ich rasch und zügig auslas. wunderbare lektüre. endlich bin ich gebildet genug um sagen zu können wo das zitat von marcel reich-ranicki: der vorhang zu und alle fragen offen - her ist.

 

bei brecht lautet es:

wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen

den vorhang zu und alle fragen offen.

 

doch der spieler in brechts stück führt noch weiter aus:

der einzige ausweg wär aus diesem ungemach:

sie selber dächten auf der stelle nach

auf welche weis dem guten menschen man

zu einem guten ende helfen kann.

verehrtes publikum, los, such dir selbst den schluß!

es muß ein guter da sein, muß, muß, muß.

 

ja es muß ein guter mensch da sein.es muß. wenn nicht bliebe nichts als verzweiflung zurück.

da kann ich nur neidlos sagen: ich werd mich bessern und dem guten menschen helfen wenn er mir begegnet. selbst nichts gutes tun ist schlimm genug. doch dem der gutes tut nicht beizustehen ist unverzeihlich.

gottfried von straßburg hat ein ähnliches problem umgetrieben und das schon um 1210.

er schreibt in seinem tristan-prolog:

gedachte mans ze guote niht,

von dem der werlde guot geschiht,

so waere ez allez alse niht,

swaz guotes in der werlde geschiht.

zu gut deutsch:

wollte man den nicht hochachten,

von dem der welt gutes widerfährt,

so wäre alles so viel wie nichts,

was gutes in der welt geleistet wird.

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Thursday, 13. january 2011 4 13 /01 /Jan. /2011 09:38

es ist an der zeit ein studienbuch zu beginnen.

 

so nannten wir damals in den achtziger jahren - als uns die welt noch offen schien - unsere mappe in die wir all unsere beamtengenehmigten unterlagen einhefteten. seit meiner erstimmatrikulation 1981 sind beinahe dreißig jahre vergangen. mehr als eine generation kam zur welt und eine weitere ist fast abgetreten. was sich seit damals an der universität geändert hat versetzt mich jede woche aufs neue in schrecken.

 

das universitätssystem wurde an seiner basis ausgehöhlt: denken und handeln sind nicht mehr in eins gesetzt. aus einer institution die das denken lehrte wurde eine die das lernen und prüfen in den mittelpunkt der aufmerksamtkeit gerückt hat.

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